Mischpult

 

1. Signalfluß im Mischpult

Die Signalverteilung („Routing“) im Mischpult erfolgt über eine netzförmige Verbindung der einzelnen Eingänge mit einer Reihe von Sarnmelschienen (engl. Buses). An den Knotenpunkten dieses Netzes kann das Signal entweder über einen Pegelsteller oder einfach über einen Schalter vom Eingang auf die jeweilige Sammelschiene geführt werden. Die Sammelschienen sind also für die eigentliche Mischung der Signale im Pult zuständig. Grundsätzlich wird bei den Sammelschienen unterschieden zwischen Schienen, die vor dem Kanalfader liegen (Pre Fader), und solchen, die hinter dem Fader liegen (Post Fader). Weitere Punkte zum Signalabgriff sind die Einschleifpunkte (Inserts). Diese typische Mischpultarchitektur ist in der Abbildung zu sehen. Kanäle und Sammelschienen werden bei großen Studiopulten gelegentlich über einen Kreuzschienenverteiler geführt. Dabei handelt es sich um ein Steckfeld, in dem die freie Zuordnung von Kanälen und Schienen möglich ist. Moderne rechnergesteuerte Pulte haben „digitale Kreuzschienenverteiler“. Die Signalführung im Pult wird hierbei durch den Computer festgelegt, und verschiedene Pultkonfigurationen können dann abgespeichert und bei Bedarf wieder aufgerufen werden. Bei Pulten ohne Kreuzschienenverteiler erfolgt die Signalverteilung über vorgegebene Wege mit Schaltern.

 

2. Masterschiene
Eine Sammelschiene ist in der Regel zweikanalig als Stereosammelschiene ausgeführt. Sie wird für die Mischung des endgütigen Stereosignals (Master-Signal) benötigt. Die Verteilung der Signale auf die Masterschiene erfolgt in jedem Kanal über einen so genannten Panoramaregler (auch Pan-Pot Panorama-Potentiometer) und den Kanalfader. Das Signal der Masterschiene wird schließlich über die beiden Masterkanäle an den Stereoausgang des Mischpultes gegeben. Über die Einstellung des Panoramareglers wird die Positionierung eines monophon aufgenommenen Signals in der Stereobasis festgelegt; das dabei entstehende Stereosignal beruht auf reiner Intensitätsstereophonie. Um ein Signal ausschließlich auf die „Links“ oder „Rechts“—-Sammelschiene zu legen, muß der Panoramaregler des entsprechenden Kanalzuges ganz nach links bzw. nach rechts gedreht werden. Das ist immer dann wichtig, wenn ein Stereosignal in zwei getrennte Eingangskanäle gespeist wird.

 

3. Subgruppenschienen
Mischpulte für den Betrieb an Mehrspurbandmaschinen verfügen über weitere Post- Fader- Summenschienen (abhängig vom anzuschließenden Bandgerät, z. 13, 8, 16 oder 24). Diese Subgruppenschienen führen zu den Subgruppen-Kanalzügen. Von dort werden sie über die Subgruppenausgänge entweder in das Mehrspurband oder über den Panoramaregler direkt weiter zum Master geschickt. Die Subgruppen verfügen meist über eigene Pegelmesser. Die Subgruppenschienen können von jedem Eingangskanal über Tasten angewählt werden, die mit der Nummer der jeweiligen Schiene (1, 2, 3, 4 usw.) bezeichnet sind. Die Mischung der verschiedenen Signale auf der Schiene erfolgt über die Kanalfader. Da die Subgruppenschienen gleichberechtigt neben der Master-Schiene stehen, kann bei solchen Mischpulten auch die Stereosumme über eine Taste aktiviert bzw. deaktiviert werden. Sie ist z. B. mit M (für „Master“), MIX oder L-R gekennzeichnet. Häufig sind die Subgruppenschienen als Stereoschienen ausgeführt. Die Tasten zum Routen des Signals sind dann doppelt bezeichnet (1-2, 3-4, 5-6 usw.). Bei dieser Ausführung dient der Panoramaregler zur Signalverteilung auf der zweikanaligen Schiene. Wenn das Signal gleichzeitig auf verschiedene Subgruppenschienen geschickt werden soll, können daher entweder nur die geradzahligen oder die ungeradzahligen Subgruppen angewählt werden.

 

4. Aux-Schienen
Jeder Eingangskanal verfügt über zusätzliche Sammelschienen für Ausspielwege, über die das Signal an verschiedene Ausgänge des Mischpultes geschickt werden kann. Einige dieser Aux- Schienen (oder auch ‚.Hilfsschienen“, von engl. auxiliary = hilfs ) liegen vor, einige hinter dem Fader. Die Mischung auf den Aux-Schienen erfolgt (abgesehen von der Regelung über den Fader bei den Post-Fader-Schienen) über eigene Pegelsteller („Aux-Regler“) im Eingangskanal. Je nach Ausführung des Mischpultes ist die Pre- oder Post-Fader-Zuordnung starr oder umschaltbar. So kann häufig das an einem Aux-Regler anliegende Signal wahlweise auf eine Pre- oder Post- Fader-Schiene gelegt werden. Die Pre-Fader-Ausspielwege führen vor dem Kanalfader auf die jeweilige Sammelschiene. die mit einem regelbaren Ausgang des Pultes („Aux Send“ oder „Monitor Send“) verbunden ist. Sie werden meist genutzt, um die Musiker unabhängig von den Fadereinstellungen mit einem Monitorsignal (z. B. Kopfhörereinspielung im Studio) zu versorgen. Daher werden sie auch als Monitorwege bezeichnet. Natürlich können diese Ausspielwege auch für andere Zwecke genutzt werden, so z. B. für die bei Multimikrofonaufnahmen häufig erforderlichen Verzögerungsleitungen. Die zu verzögernden Signale können dafür auf Pre-Fader-Schienen gelegt und über die entsprechenden Ausspielwege zum Digital -Delay geschickt werden, ohne daß die unverzögerten Signale in der Stereosumme zu hören sind. Post Fader Aux-Schienen werden meist für die Versorgung externer Effektgeräte genutzt. Sie werden daher oft auch als Effektwege bezeichnet. Sie führen auf regelbare Ausgänge („Aux Send- oder Effect Send‘), die mit den Eingängen des jeweiligen Effektgerätes verbunden werden. Durch die Anordnung der Schiene hinter dem Kanalfader wird sichergestellt, daß der Effektanteil (z. B. Hall) immer proportional zum Signalpegel auf der Summenschiene ist. Wird das Signal mit dem Kanalfader aus dem Master oder der Subgruppe ausgeblendet, dann ist auch kein Effektsignal mehr zu hören. Zur Rückführung des über eine Aux-Schiene aus dem Pult geführten Signals sind meist „Aux Return“ oder „Effect Return“ Anschlüsse vorhanden. Hier werden die Ausgänge der über die „Effect Sends“ versorgten Effektgeräte angeschlossen. Die Effekt Returns sind normale Line- Pegel Eingangskanäle; sie verfügen über einen Gain („Return Level ), einen Panoramaregler und oft sogar über eine eigene Klangregelung. Daher können sie auch auch als zusätzliche Line-Pegel-Eingänge genutzt werden, wenn am Pult kein Kanal mehr frei ist. „Aux Returns“ können als zusätzliche Line-Eingänge genutzt werden! Natürlich kann man auch jeden freien Eingangskanal als „Effect Return“ nutzen, sofern genügend Kanäle frei sind. Dadurch besteht die Möglichkeit, das vom Effektgerät zurückkommende Signal mit der Klangregelung zu bearbeiten. Dabei muß aber darauf geachtet werden, daß über diesen Return-Kanal nicht versehentlich eine Rückkopplungsschleife entsteht. Die Gefahr besteht, weil das Ausgangssignal des Effektgerätes über das Mischpult unmittelbar wieder zum Eingang geführt werden kann. Der entsprechende Aux-Regler muß im Return-Kanal also auf jeden Fall zu sein.

 

5. PFL-Schiene
Zur komfortablen akustischen Kontrolle des aufzunehmenden Signals ist häufig eine eigene Sammelschiene vorhanden, die unabhängig von der Stereo-Summenschiene vor dem Fader gespeist wird. In jedem Kanalzug ist dann eine PFI- (Pre Fader Listen) oder Solo-Taste vorhanden, mit der das Signal auf die Schiene gelegt wird. Oft ist sie auf einen Kopfhöreranschluß herausgeführt, bei besseren Pulten auch über Standard-XLRAnschlüsse. Die PFL-Funktion ist immer unabhängig von der Einstellung des Masters. Manche Pulte können in der Monitorsektion explizit auf PFL umgeschaltet werden („PFL to Monitor“). Bei anderen wird mit der Betätigung einer PFL-Taste in einem Eingangskanal automatisch der Monitorausgang von der Masterschiene auf die PFL-Schiene umgeschaltet. Die Kontrolle der einzelnen Kanäle über die PFL-Schiene beeinflußt das Mastersignal nicht. So können beispielsweise einzelne Eingangskanäle abgehört werden, auch wenn deren Fader zu sind, während gleichzeitig eine Aufnahme läuft. Die PFL-Funktion wird deshalb auch als Vorhören bezeichnet.

 

6. Einschleifmöglichkeiten (Inserts)
Viele Mischpulte bieten neben den Möglichkeiten der Signalmischung auf den Sammelschienen auch so genannte Einschleifpunkte oder insetts (von engl. insert = einfügen). Inserts werden genutzt, um spezielle Effektgeräte in einzelne Kanäle zu schalten (z. B. Limiter in den Gesangs- Eingangskanal, Noise-Gate zur Gitarre). Der Insert ist üblicherweise als Schaltbuchse ausgeführt. Durch das Einstecken eines Kabels in diese Buchse wird der Signalfluß unterbrochen und das Signal wird aus dem Pult geführt. Die Rückführung des Signals erfolgt über eine zweite Buchse an der gleichen Stelle im Signalweg. Oft wird aus Platzgründen nur eine Buchse (z. B. Stereoklinke) genutzt, um das Signal aus dem Pult und wieder zurück zu führen. In diesem Fall muß man sich ein passendes „Y-Kabel“ löten, das auf einen Stecker geführt wird. Die Beschaltung solcher Buchsen ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. haben eine feste Mittenfrequenz und Bandbreite. Sie verfügen über einen Knopf zur Einstellung der Verstärkung bzw. Dämpfung. Bei quasiparametrischen Mittenreglern sind zwei Einstellknöpfe erforderlich: Mit einem Regler wird die Mittenfrequenz des Filters eingestellt, mit dem anderen die Verstärkung bzw. Dämpfung. Bei dem „vollparametrischen“ Mittenregler ist noch einen dritter Einstellknopf für die Bandbreite (Q-Faktor) zu finden. In der Filtersektion befindet sich häufig noch ein „Bypass“-Schalter, um alle Filter abzuschalten. Unterhalb der Filter befindet sich die Aux-Sektion zur Verteilung des Signals auf die verschiedenen Hilfsschienen . In einfacheren Pulten sind diese Ausspielwege entweder als Pre- oder Post-Fader ausgelegt. In komfortableren Pulten sind sie einzeln umschaltbar. Inserts sind oft in den Eingangskanälen hinter dem Gain-Verstärker und vor der Klangregelung, gelegentlich auch zwischen Klangregelung und Fader und schließlich auch hinter dem Fader zu finden (damit ist nicht die Anordnung auf der Frontplatte, sondern der logische Punkt im Signalfluß gemeint). In den Subgruppen und im Master befinden sich häufig weitere Inserts.

 

7. Aufbau der Kanalzüge
In diesem Abschnitt wird der Aufbau typischer Mischpulte anhand der einzelnen Baugruppen Eingang, Subgruppe und Ausgang erklärt.

 

7.1 Eingang
In den Eingangskanälen wird das Signal auf Studiopegel verstärkt, im Klang bearbeitet und auf die verschiedenen Sammelschienen des Pultes verteilt. Jeder Eingangskanal des Mischpultes bietet neben den stets symmetrisch beschalteten Mikrofoneingängen auch symmetrische oder unsymmetrische Line-Pegel-Eingänge zum Anschluß elektronischer Musikinstrumente o. ä. Gelegentlich sind noch zusätzliche Line-Eingänge für den Anschluß von Bandmaschinen vorhanden. Bietet der Kanalzug eine Einschleifmöglichkeit, so ist die entsprechende Buchse hier zu finden. Bei vielen Mischpulten kann zwischen Mikrofon- und Line-Eingang umgeschaltet werden. Dadurch ist eine Umschaltung zwischen zwei an beiden Buchsen anliegenden Signalen möglich. In der Abbildung ist die typische Eingangssektion des Kanalzuges zu sehen. Das symmetrische Mikrofon-Eingangssignal wird zunächst mit Hilfe eines Eingangsübertragers oder einer Verstärkerschaltung in ein unsymmetrisches Signal überführt und mit dem Gain.Verstärker an den Arbeitspegel des Mischpultes angepaßt. Das Signal des Line-Pegel-Eingangs wird gegebenenfalls auch im Pegel angepaßt. Manche Pulte bieten auch die Möglichkeit der Pegelabsenkung am Eingang („Pad“ oder „-20 dB“-Taste), um sehr hocbpegelige Signale anzupassen. Eine weitere Möglichkeit zur Pegelanpassung ist das gelegentlich vorhandene schaltbare Trittschallfilter (mit einem Hochpaß-Schaltzeichen oder „Cut“ gekennzeichnet). Es unterdrückt tieffrequente Störungen (z. B. Erschütterungen des Mikrofonstativs) und vermeidet auf diese Weise eine Übersteuerung des Mischpultes oder der angeschlossenen Geräte bei sehr tiefen Frequenzen (sehr wichtig bei der Bühnenheschallung). Neben dem Gain-Regler ist gegebenenfalls eine Taste für die Zuschaltung der 48 V Spannungsversorgung für Kondensatormikrofone (Phantomspeisung) zu finden. Gelegentlich wird die Phantomspeisung auch zentral für alle Eingangskanäle geschaltet. Dies ist ohne weiteres vertretbar, da andere Geräte durch die Phantoinspeisung nicht gestört werden können. Gelegentlich ist in der Eingangssektion noch eine Taste mit der Bezeichnung (Phi) zu finden. Mit diesem „Phasendreher“ kann die Phasenlage des Signals um180 Grad gedreht werden (der griechische Buchstabe Phi wird zur Bezeichnung des Phasenwinkels benutzt). Der Phasendreher ist oft nützlich, wenn an einer Schallquelle mit mehreren Mikrofonen gearbeitet wird . Unterhalb der Eingangssektion folgt üblicherweise die Filtersektiort . Neben der Höhen und Tiefenregelung sind häufig mehrere Mittenregler vorhanden. Einfache Mittenregler Schließlich ist am unteren Ende des Kanalzuges die Routing- oder Ausgangssektion zu finden Hier befinden sich die Tasten zum Routing des Signals (sofern das Pult über Subgruppen verfügt), und schließlich der Panoramaregler (Pan) zur Verteilung des Signals auf die Stereoschiene. Bei der weit verbreiteten paarweisen Anordnung der Subgruppenschienen wird das Signal entsprechend der Position des Panoramareglers nicht nur auf den rechten und linken Summenkanal, sondern auch auf die geraden und ungeraden Subgruppenkanäle verteilt. Neben der"Vorhörtaste" PFL ist oft auch auch eine Taste zur Stummschaltung des Kanals (Mute) zu finden. Die Stummschaltung ist sehr nützlich, um einen Kanal abschalten zu können, ohne dabei die Faderposition zu verändern. Als letztes Element des Kanalzuges folgt schließlich der Fader, der zur Kontrolle der Pegel während der Aufnahme benötigt wird.

 

7.2. Subgruppe
Die Subgruppen-Kanalzüge werden intern über die Subgruppenschienen gespeist. Sie werden genutzt, um viele Eingangssignale des Pultes mit wenigen Fadern kontrollieren zu können. Dabei empfiehlt es sich, jeweils zwei Subgruppen als "Stereogruppe" zu benutzen, um von einer Instrumentengruppe (z. B. Schlagzeug) einen "Stereo-Submix" erstellen zu können. Darüber hinaus dienen die Subgruppenkanäle als Schnittstelle zum Mehrspurband. Die Eingänge des Mehrspurbandes werden an die Subgruppenausgänge angeschlossen, die Ausgänge des Mehrspurbandes an die Line-Eingänge (oft als Tape Return" oderTape Monitor" gekennzeichnet) . Die Subgruppenkanäle sind meist einfacher aufgebaut als die Eingangskanäle. Sie verfügen neben dem Fader zur Pegeleinstellung oft über eigene Einschleifpunkte, Zuspielmöglichkeiten zu den Pre- und Post-Fader-Hilfsschienen und seltener über Filter zur Klangregelung. Da das Subgruppenmodul nicht nur zur Mehrspuraufnahme, sondern auch zum "Mixdown" des Mehrspurbandes auf ein Stereosignal genutzt werden soll, ist es wie der Eingangskanal über einen Panoramaregler mit der Stereosumme (Master) verbunden. Zur Kontrolle der Pegel, die dem jeweiligen Kanal des Bandgerätes zugespielt werden, verfügt es häufig über einen eigenen Pegelmesser.

 

7.3. Master
Der Summen- oder Masterkanal ist als Stereo-Kanalzug ausgelegt. Hier treffen alle auf die Masterschiene gelegten Signale zusammen und werden zum Stereo-Ausgang des Mischpulte~ geschickt. Die Mastersektion verfügt neben den "Master Fadern" oft über Möglichkeiten zum Einschleifen von Geräten, über Zuspielmöglichkeiten zu den Studiolautsprechern und einen regelbaren Kopfhörerausgang. Oberhalb der Master-Sektion befinden sich bei den meisten Pulten Regler für die Pegelkontrolle der Ausspielwege (Aux Send, Aux Return) sowie die Aussteuerungsmesser und Korrelationsgradmesser für den Stereoausgang. Ob zur Pegelkontrolle VU-Meter oder Spitzenwertmesser bevorzugt werden, ist Geschmackssache. Viele Mischpulthersteller bieten beide Pegelmesser zur Auswahl an.